In Zeiten hoher Inflation mehr Gehalt verhandeln

Gib Deinem Leben den Wert,
den es verdient.

LERNE MICH KENNEN.

Die Inflation ist in unseren Portemonnaies angekommen. Die Regierung verspricht Hilfe. Doch die Frage nach mehr Geld solltest Du jetzt auch deinem Chef stellen. Wie das geht, erfährst Du nachfolgend

Anmerkung: Dieser Artikel ist zuerst am 05.05.2022 bei FOCUS online veröffentlicht worden. Als Urheberin habe ich mir, neben kleinen Änderungen, erlaubt, die Anrede in die „Du-Form“ abzuändern.

Wir erleben derzeit Inflationshöchstwerte: die Statistik spricht von einem voraussichtlichen Verbraucherpreisindex in Höhe von 7,3 Prozent – einer Inflationsrate so hoch, wie seit 1981 nicht mehr. Für Haushaltsenergie, also Strom, Gas und andere Brennstoffe sowie Kraftstoffe muss noch tiefer in den Geldbeutel gegriffen werden: Hier sind die Preise im Schnitt um 39,5 Prozent (im Vergleich zum Vorjahresmonat) gestiegen (Quelle: Statistisches Bundesamt). Lieferkettenengpässe, Rohstoffknappheit und stillstehende Containerhäfen – die Auswirkungen der Corona Pandemie führen uns wie ein Vergrößerungsglas die Kehrseite der Medaille der Globalisierung groß und deutlich vor Augen. Deutlich spürbar, denn das Niveau unserer Gehälter wurde durch die extremen Preissteigerungen in null Komma nix um etliche Jahre zurückgeworfen. Als würde das allein nicht reichen, spitzt sich die Lage an den Rohstoffmärkten durch Putins Krieg in der Ukraine weiter zu. Wir sehen das tagtäglich Im Supermarktregal. Nach dem Corona-Trend des Klopapierhamsterns folgen Sonnenblumenöl und Mehl. Auch der Senf zu unserer Grillwurst steht schon in den Startlöchern: als neuer Kandidat auf der Hitliste der steigenden Preise. Die Folge: Das durchschnittliche Monatsnettoeinkommen in Höhe von etwa 2.000 Euro ist nur noch etwa 1.850 Euro wert. Mit anderen Worten: Unsere Gehälter sind spürbar gesunken.

„Wir haben Inflation in Rekordhöhe, die Rohstoffpreise steigen und steigen, wir haben Lieferkettenengpässe und Sie wollen jetzt mehr Gehalt?!“

„Ja, genau, jetzt erst recht!“ müsste (Konjunktiv, wohlgemerkt) die erste Reaktion lauten – „trotz oder wegen alldem!“

Bis vor wenigen Jahren sprachen wir bei einer Gehaltsanpassung in Höhe von etwa 3 Prozent noch von einem Inflationsausgleich, also der Erhaltung der Kaufkraft. Heute würde selbst eine Gehaltserhöhung von 5 Prozent rechnerisch ein Minus von über 2 Prozent bewirken. Bei unserem Beispiel von 2.000 Euro netto hieße das: Aus 2.100 Euro nach der 5-Prozent-Gehaltsanpassung wird real etwa 1.940 Euro (Rundungsdifferenzen vorhanden).

Zudem spüren wir bei einem Einkauf, dass unsere „persönliche Inflationsrate“ die Werte der offiziellen Teuerungsrate oft noch übertrifft. Der Warenkorb der Statistiker umfasst etwa 650 Güter und Dienstleistungen, mit einer Gewichtung der einzelnen Positionen und Preise an den Haushaltsausgaben, die nur alle 5 Jahre aktualisiert wird. Demnach stimmt der offizielle Warenkorb selten bis gar nicht mit unserem eigenen Einkaufswagen an der Kasse überein.

Eine nennenswerte Gehaltserhöhung müsste sich demnach in einem Bereich von 10 bis 15 Prozent oder sogar mehr bewegen. Was also tun?

Die Inflation war noch nie ein guter Grund für mehr Gehalt!

Doch die Inflation als Grund für eine Gehaltserhöhung, die den Wortteil Erhöhung auch verdient hat, anzuführen, war noch nie ein guter Rat. Selbst die momentanen Inflationshöchstwerte würden argumentativ zum Boomerang werden. Denn die Inflation betrifft uns alle: Die Produktions-, Lager-, Liefer-, Betriebskosten steigen für den Arbeitgeber genauso wie die Lebenshaltungskosten auf Verbraucherebene, wenn nicht um ein Vielfaches mehr. Die bereits erwähnten geschlossenen Seehäfen aufgrund Chinas Zero-Covid-Politik haben Auswirkungen auf den weltweiten Warentransport. Kostete ein 40-Fuß-Container auf seinem Seeweg von Shanghai nach Rotterdam im Januar 2020 noch 2.000 US-Dollar (USD), so ist dessen Preis im Januar 2022 auf sagenhafte 14.028 USD gestiegen (Quelle: Chemietechnik.de, aktuelle Preisentwicklung für Containerschiffstransporte) das sind mehr als 600 Prozent!

Die Frage ist also: Wie überzeuge ich gerade jetzt meinen Chef, dass ich mehr verdiene?

Mache dir konkret Gedanken dazu, was du in deinem Wirkungsbereich wirklich leistest. Dazu sollten deine Überlegungen für eine adäquate Gehaltserhöhung in folgende Richtung gehen:

  • Habe ich mittlerweile mehr Aufgaben im Vergleich zur ursprünglichen Arbeitsbeschreibung?
  • Habe ich größere Projekte koordiniert, betreut oder erfolgreich abgewickelt?
  • Habe ich Kolleginnen oder Kollegen angelernt oder auch geführt?
  • Habe ich entscheidende Erfahrungswerte dazugewonnen, die künftig für mehr Effizienz und noch bessere Arbeitsergebnisse sorgen?
  • Konnte ich wichtige Prozesse mit nachhaltiger Auswirkung auf die Wertschöpfungskette des Unternehmens optimieren?
  • Habe ich einen wichtigen, umsatzstarken Kunden reaktiviert oder gewonnen?
  • Habe ich eigene Ideen zur Produkt- oder Prozessverbesserung beigesteuert?
  • Konnte ich im Einkauf besonders gute Konditionen (zum Beispiel für die neue Software) erzielen?

Wage den Perspektivwechsel: Weg von der Rolle eines „Bittstellers“ hin zum Gesprächspartner auf Augenhöhe

Mache dir deinen (Mehr)Wert bewusst und mache dir klar, dass gerade in diesen herausfordernden Zeiten der „Rekordinflation“, der Pandemie (nein, sie ist leider noch nicht vorbei), der geopolitischen Spannungen und der Herausforderung durch den Klimawandel das Leben weitergeht. Die Umsätze laufen weiter, die Gewinne auch, etliche Unternehmen melden steigende Absätze, Firmen werden weiterhin übernommen und für gute Köpfe wird gutes Geld gezahlt.

Zudem fehlt es immer mehr an guten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Der vieldiskutierte Fachkräftemangel verschärft sich zusehends. In vielen Branchen (Pflege, IT, Mechatronik, Klempnerei, Fahrzeugbau) fehlen Fachleute. Das Werben um junge und gut qualifizierte Talente auf dem Arbeitsmarkt, der „War for Talents“ geht munter weiter.

Versetze dich in die Rolle deines Arbeitgebers. Diesen kostet es ebenfalls Zeit und Geld, eine, vielleicht deine, Stelle neu zu besetzen. Etwa ein halbes Jahresgehalt, je nach Position auch bis zu 2 Jahresgehälter oder mehr, kostet es, einen gut eingearbeiteten Mitarbeiter zu ersetzen.

Frage dich, was jetzt für deine Organisation, für dein Unternehmen zählt:

    • Vor welchen Herausforderungen steht meine Branche?
    • Wie kann es gelingen, Prozesse ressourcenschonender zu gestalten?
    • Was kann unsere Firma dazu beitragen, um umweltschonender zu werden (zum Beispiel: Recycling, Trennung von Müll in verschiedene Rohstoffe, dadurch weniger Gesamtabfall)
    • Wie kann ich zu einer guten Kundenbindung beitragen?
    • Welche Idee habe ich, um unser Unternehmen im Markt besser zu positionieren?
    • Welche Vision verfolge ich in meinem Wirkungsbereich?

    Jetzt erst recht!

      Wenn du dir diese Hintergründe bewusst machst und dir dazu noch der Perspektivwechsel gelingt, dich in die Lage deines Vorgesetzten mit seinen Beweggründen, Überlegungen oder auch Bedenken hineinzuversetzen, wirst du nicht als Bittstellerin oder Bittsteller wahrgenommen, sondern als ernstzunehmende Gesprächspartnerin auf Augenhöhe.

      Deine Zutaten für das nächste Entwicklungs- oder Gehaltsgespräch: Mut, Haltung und eine fundierte Vorbereitung!

        Jetzt gilt es, die Weichen für die kommenden Monate und Jahre zu stellen. Denn gerade jetzt zählt es, wenn die Unternehmen eine gute Kundenbindung unterhalten, Prozesse im Unternehmen optimieren oder aufsetzen, die laufenden Großprojekte erfolgreich zu Ende führen und Innovationen entwickeln. Dazu braucht es überall eine gute und mitdenkende Belegschaft. Verkaufe deinem Arbeitgeber in deinem Gehaltsgespräch deine Mehrleistung und vielleicht hast du ja die zündende Idee, wie deine Organisation die Herausforderungen durch die Digitalisierung, Abhängigkeiten von Rohstoffen, Klimawandel und demografischer Entwicklung angehen kann und was du konkret in deinem Wirkungsbereich dazu beisteuern kannst?

        Vielleicht ist es hilfreich, sich einmal Gedanken zu machen, nicht alles Just-in-Time zu fertigen, Abhängigkeiten weiter auszubauen und nahezu sämtliche Fertigungsprozesse billig (?) nach Fernost auszulagern, statt vor Ort zu produzieren. Zu teuer? Wie teuer ist nochmal der 40-Fuß-Container von Shanghai nach Rotterdam?

        Sind die fetten Jahre vorbei?

        Sind die fetten Jahre vorbei?

        LERNE MICH KENNEN.

        Sind die fetten Jahre vorbei? Gedanken zu Konsum, Nachhaltigkeit und Krise.

        Angesichts unserer täglich steigenden Ausgaben für die Lebenshaltung neigen wir schnell zum kollektiven Wegklagen: „Früher war alles besser!“ Aber stimmt das?

        Anmerkung: Dieser Artikel ist zuerst am 28.12.2022 bei FOCUS online veröffentlicht worden.

        Besser war es durch die eigene Wahrnehmungsverzerrung. Diese entführt uns in eine verklärte, mit zarten Farben übertünchte Vergangenheit, die jedoch nur Projektionsfläche unserer eigenen Gedanken ist. Sinn und Zweck dieses Gedankenspiels ist, in schlechten Zeiten für ein angenehmeres Gefühl zu sorgen, für das Durchhalten, das Ertragen von Krisen. Sonst wäre die Menschheit vermutlich längst ausgestorben. Psychologen vermuten, dass der Blick durch die rosarote Brille in die Vergangenheit uns davor bewahrt, an der Realität zu verzweifeln.

        Doch, wenn das kollektive „heute ist alles so unsicher, schwierig, schlecht planbar“ dazu führt, gar nicht erst ins Handeln zu kommen, wird es tückisch. Zu verlockend ist es, die Verantwortung mit dieser Ausrede einfach wegzuschieben. Schließlich lässt sich der riesige Berg an Problemen als einzelner Mensch ohnehin nicht lösen. Also stimmen wir wieder ein in den Chor: „Früher war alles besser!“

        War früher alles besser?

        Wenn es um den allgemeinen Lebensstandard gilt, eher nicht. Fragen wir unsere Eltern und Großeltern: Jedes Jahr dreimal in Urlaub? Alle paar Jahre ein neues Auto und neuen Fernseher? Definitiv nicht, wird die Antwort lauten.

        Ich kann – trotz Rekordinflation – volle Restaurants und Cafés wahrnehmen. Übervolle Flughafenterminals platzten noch vor wenigen Wochen aus allen Nähten. Auf Social Media grüßen Menschen aus ihrem dritten Urlaub in diesem Jahr, natürlich von hippen, instagramtauglichen „Places-to-be“. Mehrmals pro Jahr in Urlaub? Das scheint für viele Menschen Standard zu sein, und jetzt erst recht, schließlich müssen die Zeiten des Lockdowns während der Pandemie aufgeholt werden. So schnell sind die Zeiten der ruhigen, flug- und kondenzstreifenfreien Himmel und der kristallklaren Kanäle Venedigs vergessen. Das Leben geht weiter.

        Wie passt das zusammen?

        Krisen sind keine Sackgassen. Der Kalenderspruch „in jeder Krise steckt eine Chance“ darf ernst genommen werden. Aber, worin steckt denn nun die Chance in diesen Zeiten?

        Es ist eine Definitionsfrage

        Der Motor unseres Wirtschaftssystems ist das ewige Wachstum. Bereits seit den 1920er Jahren wird an der geplanten Obsoleszenz geforscht, der mit Absicht verkürzten Lebensdauer von Gebrauchsgegenständen, um die Nachfrage zu stimulieren. Wegwerfen statt Reparieren.

        Statt dem Werbeversprechen „hält ein Leben lang“ folgen wir „dem neuesten Must-have!“ Ist das die geplante Sollbruchstelle des Fortschritts? Der Genickbruch unseres Weltwirtschaftssystems mit dem Mantra des ewigen Wachstums auf einem endlichen Planeten mit begrenztem Rohstoffvorkommen?

        Leisten wir uns heute mehr Produkte, aber weniger Qualität? Sind wir früher bewusster und sorgsamer mit unserem Hab und Gut umgegangen, einfach, weil wir viel länger darauf sparen mussten und wir noch die Großeltern im Ohr hatten, die uns vom Mangel während des Krieges erzählt haben?

        Das ist die Chance

        Genau dieser Widerspruch des ewigen Wachstums auf dem endlichen Planeten ist unsere Chance. Warum werden die Herstellungs- und Entsorgungskosten von Produkten nicht in dem Endkundenpreis mit eingepreist? Warum müssen die Rohstoffe, die in unseren Elektronikartikeln eingebaut worden sind, mehrmals um den halben Erdball reisen? Warum werden sie unter widrigen Umständen aus der Erde gewonnen, dann unter prekären Umständen in ein Gehäuse eingebaut, um schließlich auf Mülldeponien unter für Mensch und Umwelt hochgefährlichen Umständen wieder aus dem Gehäuse herausgelöst zu werden, um schlussendlich wieder dem Rohstoffmarkt zugeführt werden zu können? Ein Kreislauf, aber ohne die Berechnung der Folgen für Mensch und Umwelt.

        Was wäre wenn?

          Wäre es nicht sinnvoller, die Kühlschränke, Computer, Mobiltelefone und Autos so herzustellen, dass sie länger hielten und modular aufgebaut wären, so dass bei technischen Neuerungen lediglich die entsprechenden Module ausgetauscht werden müssten? Wäre es nicht sinnvoller, dass die Hersteller für die komplette Lieferkette ihrer Produkte verantwortlich und haftbar gemacht werden können? Wäre es nicht sinnvoller, wenn die Hersteller ihre kaputten Produkte zurücknehmen, reparieren und wiederverwerten müssten, ohne sie illegal in Dritte-Welt-Länder zu verschiffen?

          Und wäre es nicht sinnvoller, wenn wir weniger Zeug bräuchten und die Dinge mehr Qualität hätten?

          Und wie wäre es, wenn die Werte Nachhaltigkeit, Müllvermeidung, Langlebigkeit wichtiger wären als das Werbesprechen des neuesten „Must-Have-it-Piece“? Und wie wäre es erst, wenn der Kapitalmarkt ausschließlich die Prinzipien der Müllvermeidung, des ökologischen Fußabdrucks und der Produktlanglebigkeit zur Bewertung von Aktiengesellschaften heranzöge?

           

          Gehaltsverhandlungen für Frauen – Wir sind es uns Selbstwert

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          LERNE MICH KENNEN.

          Gehaltsverhandlungen für Frauen – Wir sind es uns Selbstwert

          Dieser von mir verfasste Artikel erschien zuerst 2020/21 im Online Magazin der Zeitschrift Courage, wird dort jedoch nicht mehr veröffentlicht. Ich habe Aktualisierungen, insbesondere zu den Daten zum Gender Pay Gap vorgenommen.

          Wir Frauen tun uns unheimlich schwer damit, unser Gehalt zu verhandeln. Egal, ob es um das Einstiegsgehalt im ersten Job, um eine Gehaltserhöhung im bestehenden Arbeitsverhältnis oder das Verhandeln des Honorars oder Tagessatzes als Selbständige geht: Oft fehlt uns der Mut und das Selbstvertrauen, in die Verhandlung zu gehen; wir haben regelrecht Angst vor dem “Gehaltspoker”.

          Die Folgen ziehen sich durch unsere Erwerbsbiografien

          Als Folge geben wir uns mit einem deutlich niedrigeren Einstiegsgehalt als Männer zufrieden, fordern im Job seltener Gehaltsgespräche ein, nehmen jedoch bereitwillig immer mehr Aufgaben an und werden als “Dank” noch nicht einmal befördert. Und das wirkt sich massiv auf unsere Erwerbsbiografie aus: Je höher die Position im Job, desto geringer der Frauenanteil und gleichzeitig wächst das Gehaltsdelta. Dass die Altersarmut zum größten Teil Frauen betrifft, ist die logische Konsequenz.

          Die Gehaltslücke heißt Gender Pay Gap

          Mit der Gender Pay Gap (GPG) ermittelt das statistische Bundesamt jährlich die Differenz des durchschnittlichen Bruttostundenverdienstes von Männern und Frauen im Verhältnis zum Bruttostundenverdienst der Männer. Dabei werden zwei Indikatoren unterschieden, nämlich der unbereinigte und der bereinigte GPG. Der unbereinigte GPG vergleicht den Durchschnittsverdienst aller Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer allgemein miteinander, das bedeutet, dass auch die Tatsache miteinfließt, dass Frauen schlechtere Zugangschancen zu bestimmten Berufen oder Karrierestufen haben und häufiger in Teilzeitarbeitsverhältnissen beschäftigt sind. Hier halten wir in Deutschland europaweit mit etwa 16 Prozent einen bescheidenen Rekord. Der bereinigte GPG gibt den Verdienstunterschied zwischen Frauen und Männern mit vergleichbaren Qualifikationen, Tätigkeiten und Erwerbsbiografien wieder, also den Verdienstunterschied im gleichen Job. Hier sprechen wir dann von ca. 6 Prozent Lohnunterschied zwischen Mann und Frau. Soweit die Statistik (Quelle: Statistisches Bundesamt, Berichtsjahr 2025).

          Alles nur Statistik?

          Aus meiner Praxis sind mir ganz andere Fälle und Zahlen bekannt, die die 6 Prozent bereinigte GPG noch als Träumchen aussehen lassen: Nicht selten erfahre ich von einem viel größeren Gehaltsunterschied, wohlgemerkt in gleichen Positionen, bei gleicher oder besserer Arbeitsleistung und Qualifikation von Frauen – ernüchternd, aber aussichtslos? Ich meine: Nein! Ich bin für die Lohngerechtigkeit zwischen Männern und Frauen und möchte jede von uns dazu ermutigen, für sich, für ihre Arbeitsleistung und letztlich für ihren (Mehr)Wert einzustehen!

          Aber wie geht es uns eigentlich damit, wenn wir daran denken, unser Gehalt und unseren Preis zu verhandeln? Wie ermitteln wir unseren Marktwert und wie reagieren wir auf Gegenargumente in der Verhandlungssituation?

          Selbstsicher werden

          Eine Frage erreicht mich immer als erste: „Wie kann ich in der Verhandlung selbstsicherer werden?“ Dies zeigt, dass wir die Vorbereitung auf die Preis- oder Gehaltsverhandlung ganzheitlich angehen sollten. Es reicht leider nicht, „Top-Argumente“ aus Ratgebern zusammenzutragen und diese auswendig zu lernen. Beim ersten „Nein“, spätestens aber beim zweiten, starken Gegenargument seitens des Verhandlungspartners sind wir raus aus dem Rennen.

          Warum?

          Wenn wir uns nicht mit dem auseinandergesetzt haben, was wir wollen, was wir wirklich können und wie unser Plan B aussieht, falls die Verhandlung nicht zum Erfolg führen sollte, fehlt uns das Fundament für eine gute Verhandlungsbasis. Neben der Auseinandersetzung mit dem eigenen Werdegang (Ausbildung, Studium, Qualifikation, Hard- und Softskillset, Erfahrungen) und daraus abgeleitet, mit dem Mehrwert, der in das Unternehmen eingebracht wird, sollten wir für uns selbst klären, wo genau wir hinwollen: Soll es eine Fach- oder Führungskarriere sein, wo liegen die Kernkompetenzen und sind wir bereit, die berühmte „Extrameile“ zu gehen?

          Angst vor hohen Zahlen

          Darüber hinaus sollten wir hinterfragen, wie wir zum Thema „Gehalt“ und zu „Geld“ stehen. Oft tun sich Frauen schwer damit, eine größere Zahl, z.B. das Jahresgehalt, auszusprechen und ihr Maximalziel zu nennen. Nicht selten erlebe ich hier Unsicherheiten, von einer sich plötzlich verändernden Stimmfarbe oder Mimik bis hin zu komplettem Schweigen und einer Körpersprache, die mir verrät: „Ich will hier weg!“. Das zeigt, dass die „Beziehung zu Geld“ in solchen Fällen negativ ist. Wir können in uns hineinhören und uns an unsere ersten Erfahrungen mit Geld erinnern. Dazu haben wir vielleicht Sätze wie „Geld ist nicht so wichtig“, „Es geht nicht nur ums Geld!“ oder „…sei fleißig, sei artig und sei nicht zu fordernd!“ im Kopf, die sich zu festen Glaubenssätzen manifestiert haben und uns unser gesamtes (Berufs-)Leben lang begleiten, sofern wir diese nicht auflösen. Wenn wir eine schlechte Ersterfahrung, und dadurch bedingt, einen negativen Glaubenssatz zu Geld im Kopf haben, wie wollen wir dann überzeugend in der Gehaltsverhandlung nach mehr Geld fragen?

          Haltung haben

          Unsere Haltung zu Geld, die uns häufig mit dem englischen Begriff Moneymindset begegnet, ist ein wichtiger Faktor, wenn nicht sogar der entscheidende Faktor in der Gehaltsverhandlung (und grundsätzlich in allen Fragen zum Umgang mit Geld und Investment). Nicht zuletzt wird vom Chef in der Verhandlung häufig auf unsere soziale Ader angespielt, dass „Geld doch nicht alles sei, usw… “ und was tun wir Frauen in den allermeisten Fällen? Genau, wir steigen darauf ein! Wir wollen „doch auch, dass unser Chef uns mag“, das heißt, wir verwechseln in der Verhandlung die Rollen, gehen schnell in die Beziehungsebene, statt auf der Sachebene zu bleiben und lassen uns darauf ein: „Sie haben Recht, es geht mir ja nicht nur ums Geld“ und schon nehmen wir in der Verhandlungssituation eine defensive Haltung ein. Deshalb sollten wir uns ein Bild zu unserem Moneymindset machen, unsere Glaubenssätze hinterfragen und diese auflösen. Unter anderem dieses Thema fließt in mein ganzheitliches Programm zur Vorbereitung auf die Gehaltsverhandlung ein, das ich aufgrund meiner Erfahrung aus der der Arbeit mit weit über 2000 Frauen an ihrer Gehaltsfrage entwickelt habe.

          Du hast Fragen?

          In meinen Coachings klären wir den eigenen Marktwert, aber auch die Haltung zu Geld, zum Selbst-Wert und wir leiten Gehaltsziele ab. Wir bereiten dich genau auf den jeweiligen Verhandlungspartner vor, zu deinen Zielen, Wünschen und arbeiten an der eigenen Sprechweise, Sprache und Körpersprache, damit du souverän in allen deinen Verhandlungsgesprächen punkten kannst. In der Karriereberatung oder im Coaching entwickeln wir die passende Strategie für deine nächsten Verhandlungsgespräche. Unser erstes Kennenlerngespräch ist für dich kostenfrei. Erst wenn wir beide entscheiden, dass es passt und wir zusammenarbeiten möchten, vereinbaren wir das Coaching. Schreib mir, ich freu mich auf dich!

          Arbeit im Wandel

          Gib Deinem Leben den Wert,
          den es verdient.

          LERNE MICH KENNEN.

          Arbeit im Wandel. Kopfarbeit und Handwerk sollten endlich wieder Hand-in-Hand-gehen

          In unserer Gesellschaft muss das Handwerk neben der Kopfarbeit endlich mehr Wertschätzung erfahren, wenn wir die Transformation zu mehr Klimaschutz und Nachhaltigkeit erfolgreich gestalten wollen. Ein Brief an uns als Gesellschaft. An dich. An mich. An uns alle.

          Anmerkung: Dieser Artikel ist zuerst am 04.08.2022 bei FOCUS online veröffentlicht worden. Als Urheberin habe ich mir, neben kleinen Änderungen, erlaubt, die Anrede in die „Du-Form“ abzuändern.

           

          Das Handwerk sucht händeringend nach Kräften. Volle Auftragsbücher lassen die Wartezeiten auf Monate anwachsen, doch fehlende Fachkräfte und Lieferkettenengpässe werfen ihre Schatten auf die Auftragslage. Zudem müssen viele Handwerksbetriebe schließen, weil sie keine Nachfolgerinnen oder Nachfolger finden. Gleichzeitig ist der Trend zur Akademisierung ungebrochen. In unserer Gesellschaft muss das Handwerk neben der Kopfarbeit endlich mehr Wertschätzung erfahren, wenn wir die Transformation zu mehr Klimaschutz und Nachhaltigkeit erfolgreich gestalten wollen. Ein Brief an uns als Gesellschaft. An Sie. An mich. An uns alle.

          Liebe Gesellschaft, wie steht es um unser gutes, altes Handwerk?

          An allen Ecken und Enden, so höre und lese ich, fehle es dem Handwerk an Arbeitskräften. Ausgebildete Fachkräfte, aber auch Auszubildende, werden dringend gesucht. Um Zahlen sprechen zu lassen: 250.000 Nachwuchskräfte fehlen unserem Handwerk heute und nur schwer finden sich Menschen, die sich dafür begeistern, glaubt man aktuellen Umfragen und Studien. Das hat immense Folgen: Im Schnitt dauert es 9 Wochen, ehe ein Auftrag im Gesamthandwerk begonnen werden kann. Und für Arbeiten im Bau- und Ausbaubereich nennt der Zentralverband des deutschen Handwerks durchschnittliche Wartezeiten von 10 bis 15 Wochen. Die fortschreitende Automatisierung und Digitalisierung wird den Fachkräftemangel nur zum Teil auffangen können.

          Nahezu ungebrochener Akademisierungswahn

          Nach wie vor sehen viele Eltern im Studium die einzig wahre Zukunft für ihre Sprösslinge. Entweder heißt es, die eigenen Kinder „sollen es besser haben als wir“ oder „eine gesicherte Karriere machen“ können. Doch, welcher Berufsweg ist heute sicher? Dazu später mehr.

          Wenn ich mich mit Lehrkräften unterhalte, kommt fast unisono, dass auf vielen Schülerinnen und Schülern großer Druck lastet. Dieser wird seitens der Eltern aufgebaut, die mit fast allen Mitteln versuchen, ihre Kinder fürs Abitur in später in Richtung Studium zu trimmen. Da werden Rechtsanwälte konsultiert, sobald die Schulnoten nicht stimmen. Schließlich habe das eigene Kind ein „Riesentalent“ und das müsse gefördert werden. Abitur? Keine Frage, das sei jawohl das Mindeste.

          Volle Hörsäle und hohe Abbrecherquoten

          Seit dem „PISA Schock“ aus dem Jahr 2000, in dem Deutschland schlechter als der OECD-Durchschnitt abschloss, wurde kontinuierlich daran gearbeitet, dass sich die Bildungschancen für Alle verbessern und die im internationalen Vergleich damals zu niedrige Abiturientenquote stetig steigt.

          Die Folge daraus sind Jahrgänge mit bis zu 55% Abiturientenquote, überquellende Hörsäle an den Universitäten, einmal abgesehen von der jüngsten Ausnahmesituation während der Pandemie mit Online- statt Präsenzveranstaltungen, und steigende Studienabbrecherquoten. Gerade in den MINT-Fächern verzeichnen wir in den ersten drei Jahren Abbrecherquoten in Höhe von 35 Prozent bis 40 Prozent.

          Bewusst zurück ins Handwerk

          Ein Studienabbrecher ist zum Beispiel Fabio, der einen technischen Hintergrund und ein paar Jahre Berufserfahrung mitbrachte, als er beschloss, sich an der Uni für ein ingenieurwissenschaftliches Studium einzuschreiben. Nach zwei Semestern wechselte er den Fachbereich, um dann nach weiteren 3 Semestern festzustellen: „Studium, das ist nichts für mich.“ Er studierte also 5 Semester, ohne Abschluss in der Tasche. Irgendetwas suggerierte ihm, dass seine Ausbildung im technischen Bereich „noch nicht alles sei“. Doch es ging für ihn auch ohne Studium weiter.

          Die Herausforderung der Energiewende meistern

            Als Servicemonteur für Windenergieanlagetechnik vertiefte er laufend seine Fähig- und Fertigkeiten und bildete erfolgreich neue Kolleginnen und Kollegen aus. Durch seine Weiterbildung zum Techniker für Umweltschutztechnik entwickelte er sich zum gefragten Ansprechpartner für Gemeinden, Versorgungsbetriebe und Unternehmen aus der Chemie- und Pharmabranche, wenn es um darum geht, Konzepte für nachhaltigen Umweltschutz umzusetzen. Fabio findet in seiner abwechslungsreichen Arbeit Erfüllung. Er begreift sie als wichtigen Teil des Ganzen. Als Teil einer gesamtgesellschaftlichen Aufgabe, die uns durch den Klimawandel, die Modernisierung von Infrastruktur und die demografische Entwicklung gestellt wird.

             

            Erfüllung im Job und Teilhabe an der Transformation

              Fabio ist durch seine Aufgabe erfüllt und zufrieden. Ähnlich beschreiben es auch die Teilnehmerinnen der Studie „Handwerksstolz“ der Georg-August-Universität Göttingen, die knapp 2.000 Handwerkerinnen und Handwerker befragte (Quelle: dds online, Fachmagazin für Schreiner, Tischler, Fenster- u. Innenausbauer). Sie alle eint die hohe Zufriedenheit und die Leidenschaft für ihren Beruf. Zurzeit nimmt die Zahl der Quereinsteigerinnen ins Handwerk leicht zu. Und mal Hand aufs Herz, auch, wenn die Lehrjahre finanziell kein Zuckerschlecken sind, wo gibt es die Perspektive, schon in jungen Jahren seine eigene Chefin zu werden, einen eigenen Betrieb aufzubauen, etwas Neues, etwas Wertiges zu schaffen? Mit 130 Berufen bietet das Handwerk eine große Bandbreite an Möglichkeiten, sich zu verwirklichen. Doch in der breiten Bevölkerung, und somit bei vielen von uns, scheint das noch nicht angekommen zu sein.

              Woher kommt der Trend zur Akademisierung und zur Abwertung des Handwerks?

                Die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge sinkt seit 2007 kontinuierlich. Waren es im Jahr 1992 noch es doppelt so viele Jugendliche, die eine berufliche Ausbildung dem Studium vorzogen, so begannen im Jahr 2020 mit 490.000 Personen mehr Menschen ein Hochschulstudium als eine Berufsausbildung mit 466.000 Menschen. Wenn wir mal ehrlich zu uns selbst sind, dann betrachten wir das Handwerk tendenziell abfällig, wollen uns selbst die Hände nicht schmutzig machen oder „uns kaputt malochen“. Wir bewerten die saubere, verwaltende Arbeit in Büroräumen, die White Collar Jobs, höher als die Blue Collar Jobs, mit ihrer dunklen, dreckigen Arbeitskleidung, die uns ein Bild von harter körperlicher Arbeit vermittelt.

                Tradition, Zusammenhalt und echte Handwerksqualität

                  Dabei blickt das Handwerk auf eine lange Tradition zurück. Mit ihm wurde der Arbeitsbegriff, der in der Antike noch als minderwertig galt, aufgewertet. Im Mittelalter wuchs dessen Attraktivität. Organisiert in Zünften und Gilden galt es als „ehrenwert“, im Handwerk tätig zu sein. Mit Beginn der Industrialisierung ziehen immer mehr Menschen in die Städte, um in Fabriken zu arbeiten. Technische Neuerungen, wie die Dampfmaschine, Spinn- und Webmaschine verändern die Arbeitsprozesse im handwerklichen Bereich. Mit dem Fließband erfolgt Kontrolle über das Arbeitstempo, die Herstellung von Produkten wird standardisiert und die Arbeit in kleinste, monotone und repetitive Handgriffe, Taylorismus genannt, zerlegt.

                  Arbeit wird effizienter und in Kopfarbeit und Handwerk aufgeteilt

                    Mit der 1. Industriellen Revolution begann die Abwertung des Handwerks. Es erfolgte die Trennung von Kopfarbeit und Handwerk. Letzteres gilt fortan als Erfüllungsgehilfe für die von studierten Köpfen erdachten und kontrollierten betriebswirtschaftlichen Ziele. Die industrielle Massenproduktion steht der handwerklichen Tätigkeit gegenüber und übernimmt das Zepter im weltweiten Wettbewerb. Immer höher, immer schneller, immer weiter. Das Mantra unseres modernen Arbeits- beziehungsweise Produktionslebens war geboren und hält sich bis heute hartnäckig als erstrebenswertes Ziel eines jeden Geschäftsmodells.

                    Heute scheint sich eine Trendwende abzuzeichnen, die wir noch gar nicht in Gänze erfassen. In dieser 4. Industriellen Revolution erleben wir die blitzschnelle Weiterentwicklung der Digitalisierung hin zu einer global vernetzten Welt, in der Menschen mit Maschinen interagieren, ja sogar verschmelzen.

                    Menschenleere Fabriken, computergesteuerte Produktion

                      Noch sind sich Stimmen aus der Trend- und Zukunftsforschung nicht einig darüber, ob die digitale Transformation mehrere hunderttausend Arbeitsplätze durch Roboter ersetzen wird oder in ähnlicher Anzahl neue Jobs entstehen werden. Vermutet wird, dass es Zeiten des Übergangs geben wird. Und, so die Annahme, die Digitalisierung zunächst die geistigen Routinearbeiten übernehmen, die derzeit meist von Akademikern ausgeführt werden. Schon heute ist Künstliche Intelligenz (KI) Juristen bei der Analyse von Vertragswerken weit überlegen (Quelle: jurios.de, 2018) oder schlägt beispielsweise Ärzte bei der Diagnose von Hautkrebs (Quelle: Ärzte Zeitung, 2019). KI wird vielleicht nicht alle Menschen sofort ersetzen können, doch sie wird einen wesentlichen Beitrag zur Wertschöpfung beitragen und den Menschen bei seiner täglichen Arbeit unterstützen, wenn wir mal vorsichtige Prognosen wagen.

                      Eine Vision?

                        Arbeit wird sich verändern. Und das ist die Chance auf eine Rückbesinnung auf das gute alte Handwerk. Denn ich wage mal zu bezweifeln, dass eine Form der KI ein handgeschreinertes Möbelstück nach individuellen Wünschen fertigen wird. Zudem werden Hände händeringend gebraucht. Wer soll unsere Häuser durch Solaranlagen, Wärmepumpen und energieeffiziente Umbaumaßnahmen modernisieren? Wer soll den neuen Wohnraum bauen? Wer soll die Vorgaben zur Einhaltung der Klimaziele der Politik umsetzen? Und wer soll uns im Alter und bei Krankheit pflegen? Ein ki-gesteuerter Pflegeroboter oder lieber ein Mensch mit Empathie, Hingabe und echter Begeisterung für seinen Job?

                        Verhandeln auf Augenhöhe

                        Verhandeln auf Augenhöhe

                        LERNE MICH KENNEN.

                        Verhandeln auf Augenhöhe. So startest du als Berufsrückkehrerin durch

                        Die Rückkehr nach der Elternzeit ist für viele Mütter nicht leicht. Die Erwartungen an sich selbst sind hoch. Die Gefahr, auf dem unternehmerischen Abstellgleis zu landen, leider auch. Das muss nicht sein.

                        Anmerkung: Dieser Artikel ist zuerst am 18.06.2022 bei FOCUS online veröffentlicht worden. Als Urheberin habe ich mir, neben kleinen Änderungen, erlaubt, die Anrede in die „Du-Form“ abzuändern.

                        „Sie haben zwei Kinder und wollen dann noch bei uns arbeiten?“ Nein, das ist nicht aus dem Jahr 1973, sondern ein x-beliebiger Tag von heute. Reaktionen wie diese erleben Frauen regelmäßig, wenn sie sich bewerben, nach mehr Gehalt oder beruflicher Weiterentwicklung fragen. Noch ein Beispiel gefällig? Gern, eher ungern: „Sie sind im gebärfähigen Alter, das lohnt sich für die Firma nicht, wenn ich Ihnen jetzt mehr Gehalt zahle und Sie dann in Elternzeit gehen.“

                        Erleben Berufsrückkehrerinnen nach der Elternzeit Diskriminierung? Leider ja!

                        Gerade Frauen erleben am Arbeitsplatz bestenfalls ein Naserümpfen als Reaktion, wenn sie verkünden, dass sie ein Kind erwarten. Planen sie, nach der Elternzeit wieder in den Job zurückzukehren oder sich weiterzuentwickeln, folgen noch heftigere Reaktionen bis hin zur Ausgrenzung und Diskriminierung.

                        Dazu brauchen wir gar nicht in bestimmte Berufe oder Branchen zu blicken. Die Diskriminierung von Eltern oder Pflegepersonen im Arbeitsalltag findet branchenübergreifend und unabhängig von Bildung oder Status statt.

                        Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes zeigt in ihrer, am 24.05.2022 veröffentlichten, Studie, dass 56 Prozent der befragten Eltern noch während der Schwangerschaft mindestens eine diskriminierende Situation erlebt haben. Demnach werden 26 Prozent der werdenden Mütter Verantwortlichkeiten entzogen, weniger anspruchsvolle Aufgaben zugeteilt oder Aufstiegsmöglichkeiten verhindert. Auch die männlichen Kollegen erleben, wie sich Diskriminierung anfühlt, wenn ihnen bei Anmeldung von Elternzeit harter Gegenwind entgegenbläst, indem sie unter Druck gesetzt werden, keine Elternzeit zu nehmen oder den Umfang dieser deutlich zu reduzieren. Beim Wiedereinstieg nach der Elternzeit erleben vor allem Mütter zu wenig Entgegenkommen, wenn beispielsweise flexible Arbeitszeiten, Homeoffice oder Urlaub während der Kita-Schließzeiten verwehrt werden.

                        Die Lösung liegt in der Kooperation

                        Auch, wenn die Antidiskriminierungsstelle des Bundes gesetzliche Verbesserungen anmahnt, hilft (ein langes) Abwarten wenig. Besser ist, proaktiv auf den Arbeitgeber zuzugehen, klar zu kommunizieren und Ziele und konkrete Lösungen mit der oder dem Vorgesetzten für die Zeit vor, während und nach der Babypause zu planen.

                        So hat es auch Florentine, die uns im Folgenden als Beispiel dienen wird, gemacht.

                        Sie ist zweifache Mutter. Und ehrgeizig. Zudem ist sie top organisiert, fokussiert und zielorientiert. Sie setzt ihre Prioritäten, strukturiert ihren Arbeitsalltag und setzt klare Grenzen. Sie hat bei ihrem Arbeitgeber, einem mittelständischen Unternehmen, direkt nach ihrem Studium angefangen und sich dort kontinuierlich weiterentwickelt.

                        Zweifache Mutter mit gutem Netzwerk

                        Florentine ist für eine Abteilung mit 20 Mitarbeitern zuständig und mit ihrem zweiten Kind schwanger. Sie verfügt über ein gutes Netzwerk aus familiären, freundschaftlichen und geschäftlichen Verbindungen, das sie hegt und pflegt wie einen Bonsai. Die Eltern aus dem Netzwerk unterstützen sich gegenseitig und da in ihrer Nähe sowohl eine gute Freundin als auch ein Großelternpaar ihres Kindes wohnte, konnte sie schon früh aus ihrer ersten Elternzeit wieder in den Job zurückkehren. Zudem haben Freunde eine Fahrgemeinschaft für die Kita- und Schulkinder organisiert, sodass gemäß rollierendem Fahrplan jeder mal dran war und dafür Freiräume in den übrigen Zeiten hatte.

                        Der Chef war erstmal baff, doch überfordert trifft es besser

                        Als er von ihrer zweiten Schwangerschaft erfuhr, war Ihr Chef überrascht, denn er hatte für sie die Übernahme weiterer Aufgaben mit mehr Budgetverantwortung vorgesehen und wirkte zunächst überfordert mit dieser Nachricht. Vielleicht hatte er so schnellkeinen Ersatz für sie parat oder die Befürchtung, sie würde „ganz zu Hause“ bleiben.

                        Doch Florentine hatte vor, sich Freiräume für laufende Fortbildungen einzuplanen und würde über ihr bestehendes Netzwerk auf dem Laufenden gehalten. Zudem plante sie, ein bis zweimal monatlich bei ihrer bestehenden Abteilung vorbeizuschauen und Kontakt zu halten. Ihr Ziel war es, nach einem Jahr Elternzeit wieder am Start zu sein, jedoch nicht im derzeitigen Job, sondern in die vorgesehene verantwortungsvollere und noch besser bezahlte Position hineinzuwachsen.

                        Mit klarer Strategie und Haltung den Arbeitgeber für sich gewinnen.

                          Jetzt galt es, ihrem Vorgesetzten den Zahn zu ziehen, dass sie künftig weniger einsatzbereit oder leistungsfähig sei, und ihn von ihrem Plan zu überzeugen.

                          Nachdem wir im Coaching eine plausible Strategie für sie entwickelt hatten, ging sie offensiv in ihr zweites Gespräch mit ihrem Chef. Sie machte deutlich, dass sie das Selbstvertrauen besaß, diesen Weg zu gehen und schlug vor, eine Übergangsregelung über einen festgelegten Zeitraum zu vereinbaren, wenn sie nach der Elternzeit wiederkäme. Dazu erwähnte sie, regelmäßig Kontakt zur Firma zu halten, sich in das neue Aufgabengebiet einarbeiten und nötige Kenntnisse über online Weiterbildungen erarbeiten zu wollen. Sie ging mit einer offenen Haltung in das Gespräch. Sie betonte ihre Zielstrebigkeit und dass sie sich die neue Aufgabe zutraue. Sie sprach ihre private Infrastruktur, die ihr ein Engagement in der neuen Aufgabe ermöglicht, und ihre Entwicklung im Haus an.

                           

                          Mit klarer Strategie und Haltung den Arbeitgeber für sich gewinnen.

                            Jetzt galt es, ihrem Vorgesetzten den Zahn zu ziehen, dass sie künftig weniger einsatzbereit oder leistungsfähig sei, und ihn von ihrem Plan zu überzeugen.

                            Nachdem wir im Coaching eine plausible Strategie für sie entwickelt hatten, ging sie offensiv in ihr zweites Gespräch mit ihrem Chef. Sie machte deutlich, dass sie das Selbstvertrauen besaß, diesen Weg zu gehen und schlug vor, eine Übergangsregelung über einen festgelegten Zeitraum zu vereinbaren, wenn sie nach der Elternzeit wiederkäme. Dazu erwähnte sie, regelmäßig Kontakt zur Firma zu halten, sich in das neue Aufgabengebiet einarbeiten und nötige Kenntnisse über online Weiterbildungen erarbeiten zu wollen. Sie ging mit einer offenen Haltung in das Gespräch. Sie betonte ihre Zielstrebigkeit und dass sie sich die neue Aufgabe zutraue. Sie sprach ihre private Infrastruktur, die ihr ein Engagement in der neuen Aufgabe ermöglicht, und ihre Entwicklung im Haus an.

                             

                            Auf Augenhöhe mit dem Vorgesetzten klare Vereinbarungen treffen

                              Dazu erbat sie konstruktive Kritik seitens ihres Vorgesetzten, indem sie gleichzeitig betonte, wie sehr sie seine Arbeit, Verantwortung und Rückmeldung zu schätzen wisse. Ausgehend von ihrem Selbstvertrauen erfragte sie sein Vertrauen in ihre Person und ihre Fähigkeiten.

                              Ergebnis: Sie vereinbarten die Versorgung mit wichtiger Information während ihrer Elternzeit und für die Zeit nach ihrer Rückkehr eine für beide Seiten faire Übergangszeit mit Mentoring und Unterstützung bei den Fortbildungen. Nach ihrer Elternzeit konnte sie innerhalb kurzer Zeit in die neue Position hineinfinden. Heute ist sie erfüllt und zufrieden, genauso wie Ihre Familie, die sich als Team begreift.

                               

                              Tipps für die eigene Situation:

                                • Frühzeitig private und berufliche Netzwerke aufbauen (innerhalb und außerhalb des Unternehmens, reine Frauen- und gemischte Netzwerke, Elternnetzwerke)
                                • Offen für Unterstützung sein und diese auch einfordern
                                • Aufgaben, die delegierbar sind, delegieren oder auslagern
                                • Mit dem Vater des Kindes, bzw. dem Lebenspartner, eine faire Aufteilung der Erziehungs- und Hausarbeit vereinbaren
                                • Sich die eigene Mutterrolle bewusst machen: Krisenmanagerin, Organisationstalent, Übernahme von Verantwortung, „Familienmanagerin“ usw.
                                • Daraus wertvolle personale und soziale Kompetenzen ableiten, die im Arbeitsumfeld wichtig sind und gebraucht werden, zum Beispiel: Durchsetzungsvermögen, Konfliktfähigkeit, Frusttoleranz, Verantwortungsbewusstsein, strukturiertes Arbeiten, Arbeitsorganisation, Kommunikationsstärke
                                • Mit dem Arbeitgeber vor Eintritt der Elternzeit die Rückkehr besprechen
                                • Ein für beide Seiten tragbares und gangbares Weiterentwicklungsszenario planen
                                • Möglichkeiten des „Jobsharings“ oder partnerschaftliche Führungsmodelle ansprechen
                                • Frühzeitig mit Kollegen oder dem Netzwerk im Unternehmen dazu austauschen
                                • Die Elternzeit auch für Weiterentwicklung nutzen (etwa über online Kurse)
                                • Zu den wichtigsten Themen und Entwicklungen in der eigenen Branche informiert bleiben

                                 

                                Als Arbeitgeber mit „Job-Sharing“ neu denken

                                Führungspositionen in Teilzeit? Auf das Zusammenwirken von mehreren Seiten kommt es an. Ich sehe das Modell des „Job-Sharing“ über die Tandemlösung nicht als verschrienes „Mutti-Modell“, sondern als flexibles Instrument, um den unterschiedlichen Ansprüchen und Interessen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Unternehmen besser gerecht werden zu können. So kann eine moderne Unternehmenskultur etabliert werden, die auch zum Entscheidungskriterium im Wettbewerb um die besten Talente werden kann.

                                 

                                Neues Jahr – neues Jobglück?

                                Neues Jahr – neues Jobglück?

                                LERNE MICH KENNEN.

                                Die Segel für einen erfolgreichen Jahresauftakt im Job setzen

                                Wer von uns kennt das nicht? Pünktlich zu Silvester werden fleißig Pläne geschmiedet, was im nächsten Jahr anders, besser oder endlich einmal angegangen werden soll

                                Anmerkung: Dieser Artikel ist zuerst am 28.12.2022 bei FOCUS online veröffentlicht worden. Als Urheberin habe ich mir, neben kleinen Änderungen, erlaubt, die Anrede in die „Du-Form“ abzuändern. Die Fragen aus dem Artikel können im Grunde jedes Jahr wieder zum Jahresauftakt oder auch sonst jederzeit als hilfreiche Gedankenstütze dienen.

                                Mehr Sport machen, mit dem Rauchen aufhören, gesünder essen oder im Job den längst überfälligen Termin mit der Chefin oder dem Chef vereinbaren. Endlich ansprechen, was schon lange auf der Seele brennt: Interessante Aufgaben, mehr Gehalt, die eigene Weiterentwicklung im Job.

                                Doch der Januar ist noch nicht vorbei und wir fallen schon wieder in den alten Trott. Und die guten Vorsätze? Längst dahingeschmolzen wie Schnee von gestern. Kann es denn gelingen, nachhaltig aus den alten Gewohnheiten auszubrechen?

                                Nun, heiße Tipps hierzu, gerade zum Jahresstart, gibt es wie Sand am Meer. Deshalb möchte ich dich zu ein paar Denkanstößen einladen, damit deine guten Vorsätze nicht im Arbeitsalltag verpuffen, sondern dir, weit über den Neujahrsbeginn hinaus, zu deinen nächsten Schritten und folglich zu mehr Erfüllung und Erfolg im Job verhelfen können. Sofern du die nachfolgenden Fragen für dich klären willst.

                                Um Veränderungen anzugehen, hilft es, die eigene Situation auf den Prüfstand zu stellen.

                                Dazu können folgende Fragen für Klarheit sorgen:

                                • Fühle ich mich in meinem Job noch an der richtigen Stelle?
                                • Wenn ich meine derzeitige Situation mit dem Zeitpunkt, als ich neu ins Unternehmen eingestiegen bin, vergleiche, was hat sich verändert?
                                • Sind mehr oder andere Aufgaben hinzugekommen?
                                • Welche Tätigkeiten rauben mir Energie und bei welchen Aufgaben merke ich kaum, wie die Zeit vergeht, weil sie mir richtig Spaß machen?

                                Je konkreter du dein Ziel benennen kannst, desto klarer gestaltet sich der Weg dorthin

                                • Wenn ich mir etwas wünschen könnte, das ich im Job erreichen möchte, was wäre das?
                                • Möchte ich mehr Verantwortung übernehmen?
                                • Kann ich mir eine Fach- oder Führungskarriere vorstellen?
                                • Was kann ich dazu beitragen, um dieses Ziel zu erreichen?
                                • Wenn ich mein Ziel herunterbreche auf kleine Teilziele, welches ist der nächste Schritt, den ich konkret angehen werde?
                                • Welche Erkenntnisse aus vergangenen Herausforderungen können mir bei meiner Zielerreichung helfen?

                                Ein gutes Netzwerk fördert Ideen, Austausch und gemeinsame Weiterentwicklung

                                • Wann habe ich zuletzt eine Kollegin oder einen Kollegen bei Ideen im Meeting unterstützt?
                                • Wie gut bin ich mit Kolleginnen und Kollegen im Unternehmen vernetzt?
                                • In welchen Netzwerken außerhalb meines Unternehmens wirke ich mit?
                                • Wie kann ich meine Expertise auch außerhalb meiner Organisation sichtbar machen?

                                Bereinigte Konflikte können für mehr Leichtigkeit sorgen

                                • Wie kann ich den Jahresbeginn zum Anlass nehmen, um endlich den alten Konflikt mit der Kollegin oder dem Kollegen zu bereinigen?
                                • Möchte ich nicht auch endlich die Konflikte in meinem privaten Umfeld, die mich bei der Ausübung meiner Arbeit belasten, angehen und lösen?
                                • Brauche ich dazu gegebenenfalls Unterstützung?

                                Eine gute Vorbereitung hilft

                                • Bin ich bereit, mit frischer Entschlossenheit endlich das Gespräch mit der oder dem Vorgesetzten zu vereinbaren und für die eigene Entwicklung die Segel zu setzen?
                                • Habe ich mir Gedanken dazu gemacht, warum ich eine Gehaltserhöhung verdient habe?
                                • Kann ich ableiten, welchen (Mehr)Wert ich in meinem Wirkungsbereich durch meine Arbeitsleistung konkret erbracht habe?
                                • In welchem Bereich möchte ich mich weiterentwickeln und welche Perspektiven habe ich hierzu im bestehenden Job?
                                • Was brauche ich dazu konkret von meinem Vorgesetzten?

                                 

                                Zum Abschluss noch eine Idee

                                  Notiere dir die Fragen, die in deiner Situation dringend und wichtig erscheinen oder hänge dir die Fragen aus dem Artikel einfach auf.

                                  So bleiben die Fragen im Blick und du kannst dir die verschiedenen Bereiche nach und nach oder über das Jahr immer wieder vornehmen. Eine Übung dazu: Ein leeres Blatt Papier, die wichtigste Frage drauf notiert und los geht´s: Welche Gedanken kommen dir dazu, welche Punkte kannst du sofort lösen, bei welchen benötigst du Unterstützung? Gönne dir diese wertvolle Zeit für dich zum Jahresauftakt.

                                  Ich wünsche dir ein glückliches, gesundes und erfülltes Neues Jahr!