LERNE MICH KENNEN.

„Wegen meiner Karriere werde ich oft nach meinen Kindern gefragt, ob sie ohne mich gut versorgt seien und ob ich kein schlechtes Gewissen hätte…meist von anderen Frauen.“

Ich finde, diese Worte sprechen Bände.

Bevor ich mich zu epischen Ergüssen hinreißen lasse, nur ganz kurz: Wir sind als Gesellschaft, als System – und die eine oder der andere als einzelner Mensch – noch lange nicht da, wo wir sein wollen, solange solche Erzählungen über erlebte Erfahrungen ihren Weg zu uns finden. Wie eben diese Worte, die mich neulich am Ende eines Führungskräfte-Workshops erreichten. Sie stammen von einer Mutter dreier Kinder, die in einer Leitungsfunktion in ihrem Beruf aufgeht und sich mit ihrem Partner, dem Vater ihrer Kinder, alle anfallenden Aufgaben aufteilt und die beide, wie sie sagt, ihre Familie als Team begreifen.

Wie schnell Worte fallen…

die durch vorschnelle Urteile und unbewusste Denkmuster gefärbte Auffassungen wiedergeben, das hat meine O-Ton-Urheberin hier in zig Gesprächen erfahren müssen. Nein, es macht sicher nicht viel Spaß, wenn man in seinem Job alles gibt, nebenbei die Familie managt und sich dann, quasi als Dank, solch vorwurfsvolle Äußerungen anhören darf – auch noch von Menschen gleichen Geschlechts, die durchaus in ähnlichen Situationen sein könnten.

Veränderung? Ja, aber bitte nur bei den anderen

Wie wäre es stattdessen, sich einmal mehr bewusst zu machen, dass jeder von uns, zunächst bei sich anfangen darf, wenn es um die von der Gesellschaft verlangten Veränderungen geht. Veränderung ja, aber bitte nur bei den anderen? Statt bohrender Fragen und dem Appell ans schlechte Gewissen kann ich mich auch wohlwollend und empowernd, wie es so schön neudeutsch heißt, äußern. Warum Widerspruch statt Zuspruch? Warum Ressentiment statt Respekt?

Große Veränderungen beginnen im Kleinen

Fängt es nicht schon in kleinem Rahmen mit solchen Gesprächen an, wenn wir uns auf der anderen Seite im Großen Veränderung wünschen? Wie ruhig ist es jetzt wieder um die Schlagworte „Frauen in Führungspositionen“, „Lohngerechtigkeit“, „Chancengerechtigkeit“ und so weiter geworden. Alles wieder verstummt. Wird es bis zum nächsten März so bleiben? Werden erst dann wieder die Klickzahlen nach oben schnellen, wenn Frauen mehr Sichtbarkeit und Unterstützung fordern?

Respekt und Offenheit

Ich finde, nein! Es sollte jeden Tag so sein, dass wir uns mit Respekt und Offenheit begegnen, statt mit Vorurteilen. Und das tat ich im Gespräch mit meiner Gesprächspartnerin: Ich habe sie ermutigt, sich auf die Menschen zu konzentrieren, die sie unterstützen, sich nicht in die Rechtfertigung vor allzu schnellen Verurteilungen zu begeben, sondern weiterhin ihr Ding zu machen, weil sie sich dafür entschieden hat und weil es ihr Weg ist, den sie gehen will, und das finde ich klasse.

Soweit mein Appell für mehr Miteinander statt gegeneinander.

Wie siehst du das? Hast du ähnliche Erfahrungen als beruflich engagierte Mutter gemacht oder kennst du ähnliche Geschichten?

SUSAN J. MOLDENHAUER

Autorin | Coach | Speakerin

Bei Fragen sprich mich gerne direkt an.